Unser Namensgeber - der Graf von Saint Germain


Die erste gesicherte Nachricht von einem Grafen von Saint Germain stammt 1745 aus den Briefen Walpoles. Diesen zufolge hielt er sich schon zwei Jahre in London auf, besaß eine ausgesuchte Sammlung von Juwelen, komponierte und trat als exzellenter Geigenspieler auf. Außerdem ließ er in London unter anderem eine italienische Liedsammlung und Violinsonaten drucken. Im Rahmen des allgemeinen Misstrauens und der Feindseligkeiten gegen katholische Ausländer wegen des damaligen jakobitischen Aufstandes in Schottland, wurde Saint Germain vorübergehend verhaftet; schließlich erregte er die Neugier des Prinzen von Wales und befreundete sich mit Philip Stanhope.

Er lernte in Wien den französischen Kriegsminister Marschall Belle - Isle (1684–1761) kennen, den er unter anderem mit Plänen einer Invasion Englands derart beeindruckte, dass dieser ihn nach Paris einlud. Die Zeit dort von 1756 bis 1760 gilt als Höhepunkt von Saint Germains Laufbahn.


Die Pompadour (1721–1764) war stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, den König Ludwig XV zu unterhalten, deshalb stellte sie ihm Saint Germain vor – mit vollem Erfolg: Im Trianon - Schlösschen in Versailles ließ der König ein Alchemielabor einrichten, und 1758 stellte er Saint Germain darüber hinaus Räume im Loireschloss Chambord zur Verfügung, wo dieser unter anderem an neuen Methoden für die Textilfärberei experimentierte.

Das enge Verhältnis zum König führte schließlich auch zu seinem Sturz in Paris. Ludwig XV. pflegte an seinem Außenminister Choiseul vorbei und ohne dessen Wissen diplomatische Aktivitäten zu entfalten „Secret du Roi“ genannt; insbesondere war er 1760 der hauptsächlich von Choiseul eingefädelten Allianz mit den Österreichern im Siebenjährigen Krieg überdrüssig, der sich zu einem weltumspannenden Konflikt mit England ausgeweitet hatte.

Saint Germain wurde dazu benutzt, in Den Haag über einen möglichen Friedensschluss vorzufühlen. Als der französische Botschafter d'Affry von Saint Germains Aktivitäten erfuhr und diese seinem Minister Choiseul berichtete, befahl dieser sofort die Verhaftung von Saint Germain. Da sich der König unwissend stellte, sah sich Saint Germain gezwungen, nach London zu flüchten.

Saint Germain mied nun eine Weile Frankreich und hielt sich hauptsächlich in den Niederlanden und Deutschland auf, wo er gerne den Decknamen Welldone benutzte.

1763 kaufte Saint Germain sich ein Gut bei Nijmegen und richtete sich ein Laboratorium ein, wobei er die reiche Brüsseler Geschäftsfrau Nettine und den Statthalter des Kaisers Graf Phillip von Cobenzl für die Gründung von Manufakturen gewinnen konnte, so dass diese große Geldsummen vorstreckten. Die Tests der Farb- und Textilproben fielen jedoch durch den skeptischen kaiserlichen Minister Kaunitz in Wien negativ aus.

1774 hielt er sich am Hof des Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach/Brandenburg-Bayreuth auf, mit dem er in seinem Schloss Triesdorf mit Farbstoffen experimentierte und den er auch im nahen Nürnberg Grigori Orlow vorstellte, der ihn als seinen Freund bezeichnete.

 

Zwischen dem Jahr 1710 und seinem Tod finden sich zahlreiche Hinweise auf Saint Germain als aktiven Eingeweihten und Freimaurer. Ein Freimaurer-verzeichnis der Loge Grand Orient, das frühestens aus dem Jahre 1775 stammen kann, enthält die Unterschrift von Saint Germain.

Saint Germain spielte anscheinend auch in verschiedenen Freimaurerzirkeln, die damals im Deutschen Reich den Zugang zu einflussreichsten Kreisen ermöglichten, eine bedeutende Rolle und schuf sich so eine neue Legende. Beispielsweise war Cagliostro sehr daran gelegen, als sein Schüler zu gelten. Daneben war Saint Germain angeblich auch Rosenkreuzer und vertrat eine okkulte Variante der Freimaurerei, was ihn bei Freimaurern umstritten machte. Der Herzog von Braunschweig ließ ihn 1777 überprüfen und fand, dass er entgegen seinen Angaben nicht in die „höheren Grade“ eingeweiht sei.

 

1778 gelang es Saint Germain in Hamburg, die Freundschaft des von Alchemie und Freimaurermythen begeisterten Karl von Hessen - Kassel, dem Statthalter des dänischen Königs in Schleswig, zu erringen. Auf seinem Sommerschloss in Louisenlund richtete dieser dem Grafen ein Alchemistenlabor ein (der „Alchemistenturm“ ist heute abgetragen), und im nahen Eckernförde gründeten beide eine Seidenfärberei. Allerdings bekam Saint Germain das Klima nicht. Schließlich starb er laut Kirchenbucheintrag am 27. Februar 1784 in Eckernförde. Saint Germain wurde in St. Nikolai bestattet – sein Grab fiel einer Sturmflut zum Opfer.