Selbsterkenntnis

Was ist die erste Tugend des Freimaurers?

 

Die Grundforderung des Lehrlingsgrades ist

 

Erkenne Dich selbst!

 

Als Inschrift "Gnothi Seauton" begrüßte dieser Ausspruch einst die Besucher des   Apollo - Heiligtums im Tempelbezirk des Orakels von Delphi und wird dem griechischen Philosophen Chilon von Sparta zugeschrieben. Ein Satz, der zugleich Aufforderung, Verheißung und Rätsel zu sein scheint, ein uraltes Rätsel, das durch die Jahrhunderte weitergereicht wird.

 

Obwohl sich seit den Tagen im alten Griechenland, viel geändert hat, hält das Fragen und Suchen nach dem Wesen des Menschen an. „Erkenne dich selbst!“ Diese Aufforderung zur Selbsterkenntnis hat nicht den Sinn eines von Außen an den menschlichen Geist heran getragenen Gebotes; „der zur Selbsterkenntnis treibende Gott“ ist vielmehr nichts anderes als das eigene absolute Gesetz des Geistes.

 

Der Pfarrer M. Valentinus Wigelius (Valentin Weigel), schreibt 1578 folgende Einleitungsworte für sein Buch «Erkenne dich selbst»:

 

«Wir lesen bei den alten Weisen dies nützliche Sprichwort, 'Erkenne dich selbst', welches, ob es schon recht von weltlichen Sitten gebraucht wird, als: siehe dich selbst recht an, was du seiest, forsche in deinem Busen, urteile über dich selbst, und lass andere ungetadelt, ob es schon, sage ich, auf das menschliche Leben, als von den Sitten gebraucht worden ist, dennoch mögen wir solchen Spruch ,Erkenne dich selbst' auch recht und wohl ziehen auf die natürliche und übernatürliche Erkenntnis des ganzen Menschen, also, dass sich der Mensch nicht allein selber ansehe, und hiermit erinnere, wie er sich in den Sitten vor den Leuten halten solle, sondern dass er auch seine Natur erkenne, inwendig und auswendig, im Geist und in der Natur; von wannen er komme, und woraus er gemacht sei, wozu er geordnet sei.»